Amateurfunk

Bandplan der IARU-Region 1, die deutschen Zeugnisklassen A, E und N, Betriebsarten von Telegrafie bis FT8 und die Frage, welches Band zu welcher Tageszeit trägt.

Grundlage: AFuV, IARU-R1-Bandplan · Bänder: 2200 m bis 1,2 cm

Lernziele

  • den Amateurfunkdienst von anderen Funkdiensten abgrenzen und seinen Zweck benennen
  • die deutschen Zeugnisklassen A, E und N mit ihren Frequenz- und Leistungsgrenzen unterscheiden
  • einen Bandplan lesen und erklären, warum er keine Verordnung, aber trotzdem verbindlich gelebt wird
  • die gebräuchlichen Betriebsarten von CW bis FT8 nach Bandbreite und Empfindlichkeit einordnen
  • für ein Band abschätzen, zu welcher Tageszeit welche Reichweiten realistisch sind

Einordnung

Ein Funkdienst zum Selbermachen #

Der Amateurfunkdienst ist der einzige Funkdienst, dessen Zweck die eigene technische Ausbildung ist. Die Vollzugsordnung für den Funkdienst beschreibt ihn als Funkdienst zur eigenen Ausbildung, für technische Untersuchungen und zur Völkerverständigung, ausgeübt von Personen, die dazu ordnungsgemäß zugelassen sind und sich ausschließlich aus persönlichem Interesse und ohne wirtschaftliches Interesse damit befassen.

Daraus folgen die Eigenheiten des Dienstes: Funkamateure dürfen ihre Geräte selbst bauen und verändern, sie senden mit Rufzeichen statt mit Gerätekennungen, sie dürfen keine Nachrichten für Dritte gegen Entgelt befördern und keine verschlüsselten Inhalte übertragen. In Deutschland regeln das Amateurfunkgesetz und die Amateurfunkverordnung die Einzelheiten; die Zulassung ist an eine bestandene Prüfung bei der Bundesnetzagentur gebunden.

Zeugnisklassen A, E und N #

Deutschland kennt drei Zeugnisklassen. Sie unterscheiden sich im Prüfungsumfang, in den zugänglichen Bändern und in der zulässigen Sendeleistung. Klasse N ist die Einstiegsklasse und wurde im Juni 2024 eingeführt; sie ersetzt keine der bestehenden Klassen, sondern ergänzt sie nach unten.

Deutsche Zeugnisklassen im Überblick
KlasseRegelleistungZugangPrüfung
A750 W PEP bis 23 cm, 75 W PEP ab 13 cmalle dem Amateurfunkdienst zugewiesenen BänderTechnik, Betrieb, Vorschriften im vollen Umfang
E100 W PEP auf Kurzwelle, 75 W PEP auf 2 m bis 23 cm, 5 W PEP ab 13 cm160 m, 80 m, 15 m, 10 m sowie 2 m, 70 cm, 23 cm und die Bänder ab 13 cmreduzierter Technikteil
N10 W ERP auf 10 m, 6,1 W ERP (≙ 10 W EIRP) auf 2 m und 70 cm10 m, 2 m und 70 cmEinstiegsprüfung mit stark reduziertem Umfang

Die Zuordnung von Bändern und Leistungen zu den Klassen steht Zeile für Zeile in Anlage 1 der Amateurfunkverordnung. Anders als oft angenommen sind 40 m, 20 m, 17 m, 12 m, 30 m, 60 m, 2200 m und 630 m allein der Klasse A vorbehalten; die Klasse E hat auf Kurzwelle nur 160 m, 80 m, 15 m und 10 m.

Einzelne Bänder haben eigene Leistungsgrenzen, die die Klassengrenze unterschreiten: 2200 m und 630 m sind auf 1 W ERP begrenzt, das 60-m-Band auf 9,14 W ERP (das entspricht den 15 W EIRP der WRC-15-Zuweisung), das 30-m-Band auf 150 W PEP. Im 160-m-Band gelten drei gestaffelte Grenzen — 750 W PEP bis 1850 kHz, 75 W PEP bis 1890 kHz, darüber 10 W PEP, an Wochenenden jedoch durchgehend 750 W PEP. Der Bandplan-Visualisierer rechnet diese Sonderfälle mit.

Rufzeichen und Locator #

Ein Rufzeichen besteht aus einem Landeskenner, einer Ziffer und einem Suffix. Deutschland verwendet die Präfixe DA bis DR; die Ziffer trennt Rufzeichenblöcke, das Suffix identifiziert die Station. Zusätze kennzeichnen besondere Betriebszustände, etwa „/p“ für portablen Betrieb oder „/mm“ für Betrieb an Bord eines Schiffes.

Standorte werden im Maidenhead-Locator angegeben: zwei Buchstaben für das Feld, zwei Ziffern für das Quadrat, zwei Buchstaben für das Unterquadrat. Ein Kleinfeld ist etwa 2,5 Bogenminuten hoch und 5 Bogenminuten breit — in Mitteleuropa rund 4,6 mal 5,6 Kilometer. Aus zwei Locatoren lässt sich die Entfernung berechnen, was für Wettbewerbe und Diplome die Grundlage der Punktwertung ist.

Wie ein Bandplan funktioniert #

Die Amateurfunkverordnung nennt nur die Bandgrenzen, die höchstzulässige Leistung und die zulässigen Übertragungsarten. Wo innerhalb eines Bandes Telegrafie, Digimodes oder Sprechfunk stattfinden, regelt der Bandplan der IARU. Er ist eine Empfehlung der Funkamateure an sich selbst und rechtlich nicht bindend — praktisch hält sich fast jeder daran, weil sonst schmalbandige Betriebsarten von breitbandigen zugedeckt würden.

  • Am unteren Bandende liegt Telegrafie: sie braucht kaum Bandbreite und kommt mit dem schlechtesten Signal-Rausch-Verhältnis aus.
  • Darüber folgen schmalbandige Digimodes wie PSK31 und FT8 mit wenigen hundert Hertz Bandbreite.
  • Es schließen sich Baken- und Sonderbereiche an, die von anderem Verkehr frei bleiben.
  • Im oberen Bandteil liegt Einseitenbandtelefonie mit etwa 2,4 bis 2,7 kHz, auf VHF und UHF zusätzlich FM und Relaisbetrieb.

Bandplan-Visualisierer #

Klasse wählen, Segment anklicken: Betriebsart, Grenzen, Wellenlänge und eine Ausbreitungsregel je Band.

Bandplan Region 1

Bänder, Segmente und Leistungsgrenzen nach Zeugnisklasse

27 Bänder

Alle Bänder mit der Leistungsgrenze der Klasse A. Zum Vergleich eine Klasse wählen.

  • Telegrafie (CW)
  • Digital schmalbandig
  • Digital breitbandig
  • Baken
  • Einseitenband (SSB)
  • Alle Betriebsarten
  • FM und Relais
  • Satellit
  • Amateurfernsehen
  • 2200 m

    135,7–137,8 kHz λ ≈ 2,19 km 1 W ERP sekundär
  • 630 m

    472–479 kHz λ ≈ 630,48 m 1 W ERP sekundär
  • 160 m

    1,81–2 MHz λ ≈ 157,37 m 750 W PEP teils primär, teils sekundär
  • 80 m

    3,5–3,8 MHz λ ≈ 82,13 m 750 W PEP
  • 60 m

    5,3515–5,3665 MHz λ ≈ 55,94 m 9,14 W ERP sekundär
  • 40 m

    7–7,2 MHz λ ≈ 42,22 m 750 W PEP
  • 30 m

    10,1–10,15 MHz λ ≈ 29,61 m 150 W PEP sekundär
  • 20 m

    14–14,35 MHz λ ≈ 21,15 m 750 W PEP
  • 17 m

    18,068–18,168 MHz λ ≈ 16,55 m 750 W PEP
  • 15 m

    21–21,45 MHz λ ≈ 14,12 m 750 W PEP
  • 12 m

    24,89–24,99 MHz λ ≈ 12,02 m 750 W PEP
  • 10 m

    28–29,7 MHz λ ≈ 10,39 m 750 W PEP
  • 6 m

    50–52 MHz λ ≈ 5,88 m 750 W PEP sekundär
  • 4 m

    70,15–70,21 MHz λ ≈ 4,27 m 25 W ERP befristete Allgemeinzuteilung
  • 2 m

    144–146 MHz λ ≈ 2,07 m 750 W PEP
  • 70 cm

    430–440 MHz λ ≈ 68,92 cm 750 W PEP
  • 23 cm

    1,24–1,3 GHz λ ≈ 23,61 cm 750 W PEP sekundär
  • 13 cm

    2,32–2,45 GHz λ ≈ 12,57 cm 75 W PEP sekundär
  • 9 cm

    3,4–3,475 GHz λ ≈ 8,72 cm 75 W PEP sekundär
  • 6 cm

    5,65–5,85 GHz λ ≈ 5,21 cm 75 W PEP sekundär
  • 3 cm

    10–10,5 GHz λ ≈ 2,92 cm 75 W PEP sekundär
  • 1,2 cm

    24–24,25 GHz λ ≈ 1,24 cm 75 W PEP teils primär, teils sekundär
  • 6 mm

    47–47,2 GHz λ ≈ 6,37 mm 75 W PEP
  • 4 mm

    76–81 GHz λ ≈ 3,82 mm 75 W PEP sekundär
  • 2,5 mm

    122,25–123 GHz λ ≈ 2,44 mm 75 W PEP sekundär
  • 2 mm

    134–141 GHz λ ≈ 2,18 mm 75 W PEP teils primär, teils sekundär
  • 1,2 mm

    241–250 GHz λ ≈ 1,22 mm 75 W PEP teils primär, teils sekundär

Ein Segment auswählen, um Betriebsart, Grenzen und eine Ausbreitungsregel zu sehen.

Betriebsarten und ihre Bandbreiten #

Gebräuchliche Betriebsarten mit typischer Bandbreite
BetriebsartBandbreiteEinordnung
CW (Telegrafie)etwa 100–500 HzKommt mit sehr wenig Leistung aus, wird direkt vom Menschen dekodiert.
FT8etwa 50 Hz je SignalFeste Zeitschlitze von 15 Sekunden, arbeitet noch weit unter der Rauschgrenze.
PSK31etwa 60 HzTastaturbetrieb in Echtzeit, phasenumgetastet.
RTTYetwa 250 HzÄlteres Fernschreibverfahren mit Frequenzumtastung.
SSBetwa 2,4–2,7 kHzSprechfunk mit unterdrücktem Träger; unterhalb 10 MHz unteres, darüber oberes Seitenband.
FMetwa 12,5–16 kHzRauschfreier Nahbereichsfunk, Standard im Relaisbetrieb auf 2 m und 70 cm.

Die Bandbreite bestimmt, wie viel Rauschleistung der Empfänger aufnimmt: Halbiert man die Bandbreite, sinkt die Rauschleistung um 3 dB. Das erklärt, warum Telegrafie und moderne Digimodes Verbindungen ermöglichen, bei denen Sprechfunk längst versagt.

k
Boltzmann-Konstantein J/K
T
Rauschtemperaturin K
B
Rauschbandbreitein Hz
Thermisches Rauschen im Empfänger

Im Maßstab nebeneinandergelegt wird der Unterschied greifbar: Neben einem FM-Kanal ist eine FT8-Aussendung ein Strich — und genau dieser Faktor steht am Ende als Störabstand zur Verfügung.

Betriebsarten im Maßstab: Bandbreite und Rauschen

Bandbreite und Rauschleistung der Betriebsarten
BetriebsartBandbreiteRauschleistung bei 290 KGewinn gegenüber SSB
FT850,00 Hz-157,0 dBm+17,3 dB
PSK3160,00 Hz-156,2 dBm+16,5 dB
CW (Telegrafie)200,00 Hz-151,0 dBm+11,3 dB
RTTY250,00 Hz-150,0 dBm+10,3 dB
SSB (Sprechfunk)2,70 kHz-139,7 dBm0,0 dB
FM (Relaisbetrieb)12,50 kHz-133,0 dBm-6,7 dB
ATV (Amateurfernsehen)5,50 MHz-106,6 dBm-33,1 dB
FT8: belegte Bandbreite

50,00 Hz

digital, 15-s-Zeitschlitze

Gewinn gegenüber SSB

+17,3 dB

Bezug 2,70 kHz (SSB)

Rauschleistung N = k·T·B

-157,0 dBm

bei 290 K

Maßstäblich innerhalb des gewählten Ausschnitts; breitere Betriebsarten sind abgeschnitten und mit einem Pfeil gekennzeichnet. Rauschleistung N = k·T·B bei 290 K. Bandbreiten nach IARU-Region-1-Bandplan, WSJT-X User Guide und AFuV Anlage 1.

Welches Band ist gerade offen? #

Faustregeln statt Vorhersage — maßgeblich sind Sonnenstand, Jahreszeit und Sonnenaktivität.

  • Unter 5 MHz sind Nachtbänder: tagsüber dämpft die D-Schicht die Raumwelle stark, nachts verschwindet sie und 160 m sowie 80 m öffnen über tausende Kilometer.
  • 40 m ist das Allwetterband: tagsüber sichere Verbindungen bis einige hundert Kilometer, nachts weltweit.
  • 20 m ist das klassische Tagband für Fernverbindungen und oft auch nach Sonnenuntergang noch nutzbar.
  • 15 m, 12 m und 10 m leben von der Sonnenaktivität: im Maximum des elfjährigen Zyklus täglich weltweit, im Minimum wochenlang tot.
  • 6 m und 2 m öffnen im Frühsommer sporadisch über Es-Wolken; auf UHF entscheidet die Sichtverbindung, Inversionswetterlagen bringen Überreichweiten.

Hinter den Faustregeln steht eine einzige Kurve: die höchste nutzbare Frequenz im Tagesverlauf. Sie deckelt die Bänder von oben, während die D-Schicht sie am Tag von unten abschneidet — dazwischen liegt das Fenster.

Bandöffnungen im Tagesgang

Zustand der Kurzwellenbänder um 12:00 Uhr bei 2.000 km
BandBandmitteZustandAnteil an der MUF
80 m3,7 MHzgedämpft (D-Schicht)14%
40 m7,1 MHzoffen28%
30 m10,1 MHzoffen40%
20 m14,2 MHzoffen56%
17 m18,1 MHzoffen71%
15 m21,2 MHzoffen84%
12 m24,9 MHzoffen98%
10 m28,9 MHzgeschlossen (über der MUF)114%
MUF25,3 MHz
FOT21,5 MHz
Untere Schranke (Annahme)5,0 MHz
12:00 Uhr
2.000 km

Flacher Einfallswinkel: je größer der Sprung, desto höher die MUF.

MUF über 2.000 km

25,3 MHz

FOT 21,5 MHz — darüber wird es unzuverlässig

Offene Bänder

6 von 8

um 12:00 Uhr

D-Schicht-Absorption

100%

dämpft bis 5,0 MHz

Richtwerte mittlerer Breiten bei mittlerer Sonnenaktivität. MUF aus estimateMUF (Sekantengesetz, Reflexionshöhe 300 km) und dem Tagesgang von foF2 aus dem Ionosphären-Widget; FOT = 85% der MUF. Die untere Schranke ist eine Annahme: geradliniger Übergang zwischen Nacht- und Tageswert, gesteuert vom Absorptionsmaß der D-Schicht — die echte LUF hängt zusätzlich von Leistung, Antennen und Störpegel ab. Quellen: Davies, Ionospheric Radio §6; ITU-R P.1239 und P.373.