HF-Mathematik

Die sechs Formeln, ohne die in der Hochfrequenztechnik nichts geht: Wellenlänge, Freiraumdämpfung, Radargleichung, Shannon-Kapazität, Dezibel und Radiohorizont – mit Herleitung, berechneten Beispielen und Reglern zum Ausprobieren. Davor stehen die beiden Werkzeuge, auf denen alles aufbaut: das Zeigerdiagramm und die Fourier-Reihe.

Lichtgeschwindigkeit: 299.792.458 m/s

Lernziele

  • Frequenz und Wellenlänge über λ = c/f ineinander umrechnen und Größenordnungen (m, cm, mm) sicher zuordnen
  • die Freiraumdämpfung aus Distanz und Frequenz berechnen und die 6-dB-Regel bei Verdopplung anwenden
  • das R⁴-Gesetz der Radargleichung aus zwei Kugelwellen herleiten
  • die Shannon-Kapazität aus Bandbreite und SNR bestimmen und SNR zwischen dB und linear umrechnen
  • mit dB rechnen: Faktor 10 vs. 20, dBm/dBW, Kettenrechnung durch Addition
  • den Radiohorizont mit dem 4/3-Erde-Modell abschätzen
  • Schwingungen als Zeiger darstellen, sie addieren und ein Signal in seine Harmonischen zerlegen

Wellenlänge und Frequenz #

Wellenlänge und Frequenz einer elektromagnetischen Welle sind über die Lichtgeschwindigkeit verknüpft – die Basis fast jeder HF-Rechnung.

λ
Wellenlängein m
c
Lichtgeschwindigkeit im Vakuum, 299.792.458 m/s
f
Frequenzin Hz
Wellenlänge

Herleitung: Eine ebene Welle hat die Phase φ = ω·t − k·x mit der Kreisfrequenz ω = 2π·f und der Wellenzahl k = 2π/λ. Ihre Phasengeschwindigkeit ist v = ω/k = f·λ. Im Vakuum ist v = c, also c = f·λ und damit λ = c/f.

Berechnet mit frequencyToWavelength()
FrequenzWellenlängeAnwendung
100 MHz3,0 mUKW-Rundfunk
2,4 GHz12,5 cmWLAN, Mikrowellenherd
5 GHz6,0 cmWLAN 5 GHz
28 GHz1,1 cm5G mmWave
77 GHz3,9 mmAutomotive-Radar

Zeiger und Spektrum #

Zwei Werkzeuge stecken hinter fast jeder HF-Rechnung: die Darstellung einer Schwingung als rotierender Zeiger und die Zerlegung eines Signals in Harmonische.

Û
Scheitelwert (Länge des Zeigers)in V
ω
Kreisfrequenz, ω = 2π·fin rad/s
φ
Nullphasenwinkel (Vordrehung des Zeigers)in rad
Sinusschwingung mit Amplitude und Phase

Eine Schwingung lässt sich als Zeiger der Länge Û darstellen, der mit ω rotiert; ihr Momentanwert ist seine senkrechte Projektion. Der Nutzen zeigt sich beim Addieren: Zwei Schwingungen gleicher Frequenz überlagern sich wie Vektoren. Bei φ = 0° addieren sich die Amplituden, bei 90° ergibt sich das √2-fache, bei 180° löschen sie sich aus. Genau so entstehen Mehrwegeschwund, die Nullstellen einer Antennengruppe und die Seitenbänder einer Modulation.

Zeigerdiagramm: Sinus, Amplitude, Phase

Zeiger und Summe bei den eingestellten Werten
Amplitude Û₁1,00 (Phase 0°)
Amplitude Û₂0,70
Phasenverschiebung φ₂90°
Summenamplitude1,221
Summenphase35,0°
Momentanwert der Summe0,700
1,00
0,70
90°
Summenamplitude

1,221

√(Û₁² + Û₂² + 2·Û₁·Û₂·cos φ₂)

Summenphase

35,0°

Momentanwert u(t)

0,700

senkrechte Projektion des Summenzeigers

Beide Schwingungen haben dieselbe Frequenz — nur dann steht das Zeigerbild still zueinander und die Addition ist eine reine Vektoraddition. Amplituden sind auf 1 normiert.

Umgekehrt lässt sich jedes periodische Signal als Summe von Sinusschwingungen ganzzahliger Vielfacher der Grundfrequenz schreiben — das ist die Fourier-Reihe. Für die Funktechnik heißt das: Ein Rechtecksignal ist nie schmalbandig. Je steiler die Flanke, desto mehr Harmonische, desto breiter das belegte Spektrum. Deshalb werden Tastsignale verschliffen und Schaltnetzteile gefiltert.

aₙ
Amplitude der n-ten Harmonischenin —
n
Ordnungszahl der Harmonischen (n = 1: Grundwelle)in —
ω₀
Kreisfrequenz der Grundwellein rad/s
Fourier-Reihe der Rechteckschwingung

Fourier-Synthese: Signal aus Harmonischen

Harmonische der Rechteckschwingung
Ordnung nFrequenzAmplitude
11·f₀1,2732
33·f₀0,4244
55·f₀0,2546
Spitzenwert der Teilsumme—1,1884
Überschwingen (Sprunghöhe)—9,42%
bis n = 5
Mitgerechnete Harmonische

3

höchste Ordnung n = 5

Amplitude der Grundwelle

1,2732

4/π beim Rechteck

Überschwingen (Gibbs)

9,4%

bezogen auf die Sprunghöhe; bleibt bei rund 9 %

Amplituden auf die Grundwelle bezogen und auf ±1 normiert. Reihenkoeffizienten nach Bronstein/Semendjajew; Rechteck und Dreieck enthalten nur ungerade Harmonische.

Freiraumdämpfung (FSPL) #

Die Freiraumdämpfung beschreibt den Signalverlust einer Welle im freien Raum ohne Hindernisse oder Atmosphäre – rein durch die geometrische Ausbreitung.

d
Distanzin m
f
Frequenzin Hz
c
Lichtgeschwindigkeitin m/s
Freiraumdämpfung in dB; die Konstante 20·log₁₀(4π/c) beträgt -147,552 dB

Herleitung aus der Friis-Gleichung: Ein isotroper Strahler verteilt P_t auf die Kugelfläche 4π·d², die Leistungsdichte ist S = P_t/(4π·d²). Eine isotrope Empfangsantenne hat die Wirkfläche A_e = λ²/(4π), empfängt also P_r = S·A_e = P_t·λ²/(4π·d)². Das Verhältnis P_t/P_r in dB ist die FSPL: 20·log₁₀(4π·d/λ) = 20·log₁₀(4π·d·f/c).

Berechnet mit calculateFSPL()
FrequenzDistanzFSPL
2,4 GHz100 m80,1 dB
2,4 GHz1 km100,1 dB
5,0 GHz1 km106,4 dB
2,4 GHz10 km120,1 dB
12,0 GHz36.000 km205,2 dB
  • Verdopplung der Distanz → +6 dB Dämpfung (20·log₁₀ 2 ≈ 6,02 dB).
  • Verdopplung der Frequenz → +6 dB Dämpfung; die Wirkfläche der Antenne schrumpft mit λ².
  • Die FSPL enthält keine Absorption – Regen, Gase und Hindernisse kommen zusätzlich dazu.

Radargleichung #

Die Radargleichung beschreibt die empfangene Leistung nach Reflexion an einem Ziel – Hin- und Rückweg plus Rückstreuquerschnitt.

P_r
Empfangene Leistungin W
P_t
Sendeleistungin W
G
Antennengewinn (linear, gleiche Antenne für Senden und Empfangen)
λ
Wellenlängein m
σ
Radarquerschnitt des Zielsin m²
R
Entfernung zum Zielin m
Radargleichung (ohne Verluste)

Herleitung: Leistungsdichte am Ziel S₁ = P_t·G/(4π·R²); das Ziel streut P_refl = S₁·σ isotrop zurück; am Empfänger herrscht S₂ = P_refl/(4π·R²); die Antenne fängt mit A_e = G·λ²/(4π) die Leistung P_r = S₂·A_e ein. Zweimal 1/R² ergibt 1/R⁴.

Typische Radarquerschnitte (Skolnik, Tab. 2.2; Quelle: RCS_REFERENCE)
Objektσ
Insekt10,0 mm²
Vogel100,0 cm²
Stealth-Jet50,0 cm²
Drohne (klein)1.000,0 cm²
Mensch1 m²
Kleinflugzeug2 m²
Kampfjet (konventionell)5 m²
PKW100 m²
Verkehrsflugzeug100 m²
LKW200 m²
Schiff (klein)1.000 m²
Schiff (groß)10.000 m²

Impulsradar, Doppler-Effekt und Radarquerschnitt mit interaktiven Widgets: Kapitel Radar-Grundlagen. Zahlen einsetzen: Radar-Reichweitenrechner.

Shannon-Hartley-Theorem #

Die theoretische Obergrenze der fehlerfreien Datenrate über einen gestörten Kanal – das Fundament der digitalen Nachrichtentechnik.

C
Kanalkapazität (maximale fehlerfreie Datenrate)in bit/s
B
Bandbreite des Kanalsin Hz
SNR
Signal-Rausch-Verhältnis – linear, nicht in dB
Kanalkapazität
SNR-Umrechnung: 20 dB entsprechen SNR = 100

Die spektrale Effizienz η = C/B = log₂(1 + SNR) gibt an, wie viele Bit pro Sekunde und Hertz Bandbreite maximal möglich sind. Reale Systeme bleiben wegen Codierung, Roll-off und Signalisierung darunter.

Berechnet mit calculateShannonCapacity() und calculateSpectralEfficiency()
StandardBandbreiteTyp. SNRShannon-Grenzeη
WLAN 802.11n40 MHz25 dB332 Mbit/s8,31 bit/s/Hz
LTE (20 MHz)20 MHz20 dB133 Mbit/s6,66 bit/s/Hz
5G NR (100 MHz)100 MHz20 dB666 Mbit/s6,66 bit/s/Hz

Dezibel-Rechnung #

Das Dezibel ist ein logarithmisches Verhältnismaß: Verstärkungen und Dämpfungen werden addiert statt multipliziert.

Leistungs- und Spannungsverhältnis in dB

Dezibel-Spielplatz

Pegel nach jeder Stufe der Kette
StufeBeitragPegel danach
Sendeleistung (dBm)20 dB20,0 dBm
Kabelverlust-3 dB17,0 dBm
Sendeantenne12 dB29,0 dBm
Freiraumdämpfung-100 dB-71,0 dBm
Empfangsantenne12 dB-59,0 dBm
+3,0 dB

Kettenrechnung (Mini-Link-Budget)

+20 dB
-3 dB
+12 dB
-100 dB
+12 dB
Leistungsfaktor 10^(dB/10)

1,995

+3,0 dB

Spannungsfaktor 10^(dB/20)

1,413

Empfangspegel der Kette

-59,0dBm

über typischer Empfindlichkeit -90 dBm

Leistung: dB = 10·log₁₀(P₂/P₁). Spannung: dB = 20·log₁₀(U₂/U₁). Absolutpegel dBm beziehen sich auf 1 mW; in der Kette werden dB einfach addiert.

dBm
Leistung bezogen auf 1 mW: P_dBm = 10·log₁₀(P/1 mW). 0 dBm = 1 mW, 30 dBm = 1 W.
dBW
Leistung bezogen auf 1 W: P_dBW = 10·log₁₀(P/1 W). Umrechnung: dBm = dBW + 30.
dBµV
Spannung bezogen auf 1 µV: U_dBµV = 20·log₁₀(U/1 µV) – üblich in EMV und Antennenmesstechnik.
dBi
Antennengewinn bezogen auf den isotropen Kugelstrahler.
Umrechnungstabelle, berechnet mit 10^(dB/10) und 10^(dB/20)
dBLeistungsfaktorSpannungsfaktor
0 dB× 1,00× 1,00
+1 dB× 1,26× 1,12
+2 dB× 1,58× 1,26
+3 dB× 2,00× 1,41
+6 dB× 3,98× 2,00
+10 dB× 10,00× 3,16
+20 dB× 100× 10,00
+30 dB× 1.000× 31,62
+40 dB× 10.000× 100
-3 dB× 0,50× 0,71
-6 dB× 0,25× 0,50
-10 dB× 0,10× 0,32
-20 dB× 0,01× 0,10
  • +3 dB ≈ doppelte Leistung, −3 dB ≈ halbe Leistung (Bandbreitengrenze).
  • +10 dB = zehnfache Leistung, +20 dB = hundertfache Leistung.
  • +6 dB = doppelte Spannung = vierfache Leistung.

Radiohorizont #

Die maximale Entfernung einer direkten Sichtverbindung, begrenzt durch Erdkrümmung und atmosphärische Refraktion.

d
Distanz zum Horizontin km
k
Refraktionsfaktor, typisch 4/3 ≈ 1,333
R
Erdradius, 6.371 km
h
Antennenhöhein km
Radiohorizont einer Antenne
Maximale Sichtverbindung zwischen zwei Antennen
Berechnet mit calculateRadioHorizon()
AntennenhöheOhne Refraktion (k = 1)Mit Refraktion (k = 4/3)
2 m (Handfunkgerät)5,0 km5,8 km
10 m (Dachantenne)11,3 km13,0 km
30 m (Hausdach)19,6 km22,6 km
100 m (Funkturm)35,7 km41,2 km
300 m (Fernsehturm)61,8 km71,4 km

Ausbreitungs-Sandkasten

Aktuelle Werte des Ausbreitungs-Sandkastens
Frequenz7,10 MHz – Raumwelle
Radiohorizont Sender / Empfänger22,6 km / 13,0 km
Maximale Sichtverbindung35,6 km
Bodenwelle (Faustregel)20 km
Sprungdistanz0 km
MUF (3000 km)29,4 MHz
7,10 MHz
30 m
10 m
Dominierender Modus: Raumwelle
Radiohorizont (Sender + Empfänger)

35,6km

22,6 + 13,0 km

Sprungdistanz

0km

Tote Zone

—

MUF für 3000 km

29,4MHz

Radiohorizont d = √(2·k·R·h) mit k = 4/3; Sprungdistanz und MUF nach dem Sekantengesetz (Spiegelmodell, h = 250 km, foF2 = 8,4 MHz). Bodenwellenreichweite nur als Faustregel; Höhen stark überhöht.

Quellen

  • H. T. Friis, „A Note on a Simple Transmission Formula", Proc. IRE 34 (1946) – Freiraumdämpfung.
  • C. E. Shannon, „A Mathematical Theory of Communication", Bell System Technical Journal 27 (1948).
  • ITU-R P.525 (Freiraumdämpfung), ITU-R P.834 (Refraktion, 4/3-Erde).
  • M. I. Skolnik, Introduction to Radar Systems, 3. Aufl. – Radargleichung und RCS-Tabelle.