Rundfunk

Von der Langwelle bis DVB-T2: Ausbreitung und Raster der klassischen Rundfunkbereiche, das UKW-Multiplexsignal, DAB+ im Gleichwellennetz und der Weg des Satellitensignals ins Kabel.

Grundlage: GE75, GE84, GE06 · Bereich: 148,5 kHz bis 12,75 GHz

Lernziele

  • die Rundfunkbereiche von Langwelle bis UHF nach Ausbreitung und Reichweite einordnen
  • erklären, warum Mittelwelle nachts weiter reicht als am Tag
  • das UKW-Signal in Mono, Stereo-Differenzsignal, Pilotton und RDS zerlegen
  • DAB-Blöcke und DVB-T2-Kanäle in Frequenzen umrechnen und umgekehrt
  • den Nutzen eines Gleichwellennetzes gegenüber Einzelfrequenzen begründen

Amplitudenmodulierter Rundfunk

Langwelle, Mittelwelle, Kurzwelle #

Der amplitudenmodulierte Rundfunk nutzt drei Bereiche mit sehr unterschiedlichem Verhalten. Auf Langwelle folgt die Bodenwelle der Erdkrümmung und trägt bei ausreichender Sendeleistung mehrere hundert Kilometer weit, nahezu unabhängig von der Tageszeit. Auf Mittelwelle reicht die Bodenwelle tagsüber etwa hundert Kilometer; nachts verschwindet die absorbierende D-Schicht der Ionosphäre, die Raumwelle kehrt zurück und bringt Fernempfang — zusammen mit Schwund und gegenseitigen Störungen.

Die Kurzwelle lebt vollständig von der Raumwelle. Zwischen 2,3 und 26,1 MHz liegen die Rundfunkbänder, die traditionell nach ihrer Wellenlänge benannt sind. Welches Band trägt, hängt von Tageszeit, Jahreszeit und Sonnenaktivität ab; deshalb senden Auslandsdienste dieselbe Sendung oft parallel in mehreren Bändern.

Kanalraster und Reichweite der AM-Bereiche in Region 1
BereichFrequenzenRasterTypische Reichweite
Langwelle148,5–283,5 kHz9 kHzeinige hundert Kilometer über die Bodenwelle
Mittelwelle526,5–1606,5 kHz9 kHzetwa 100 km am Tag, nachts über 1000 km
Kurzwelle2,3–26,1 MHz5 kHzinterkontinental über die Ionosphäre

In Deutschland sind Lang- und Mittelwellensender abgeschaltet. Ausschlaggebend waren der hohe Energiebedarf großer Antennenanlagen, die geringe Tonqualität und der Rückgang der Hörerzahlen gegenüber UKW, DAB+ und Internetradio.

Kurzwellenbänder #

Alle Rundfunkbänder zwischen 2,3 und 26,1 MHz mit Faustregel zur nutzbaren Tageszeit.

Kurzwellen-Rundfunkbänder

Bänder nach VO Funk Artikel 5 mit Faustregel zur Tageszeit

Rundfunkbänder zwischen 2,3 und 26,1 MHz. Die Tropenbänder sind nur in tropischen Zonen für Rundfunk vorgesehen.
BandFrequenzbereichArtNutzbar
120 m2,3–2,495 MHz Tropenbandnachts, Nahbereich am Tag
90 m3,2–3,4 MHz Tropenbandnachts, Nahbereich am Tag
75 m3,9–4 MHz Tropenbandnachts, Nahbereich am Tag
60 m (unterer Teil)4,75–4,995 MHz Tropenbandnachts, Nahbereich am Tag
60 m (oberer Teil)5,005–5,06 MHz Tropenbandnachts weit, tagsüber regional
49 m5,9–6,2 MHz weltweitnachts weit, tagsüber regional
41 m7,2–7,45 MHz weltweitnachts weit, tagsüber regional
31 m9,4–9,9 MHz weltweitnachts weit, tagsüber regional
25 m11,6–12,1 MHz weltweittagsüber weit, abends abklingend
22 m13,57–13,87 MHz weltweittagsüber weit, abends abklingend
19 m15,1–15,8 MHz weltweitnur tagsüber, stark von der Sonnenaktivität abhängig
16 m17,48–17,9 MHz weltweitnur tagsüber, stark von der Sonnenaktivität abhängig
15 m18,9–19,02 MHz weltweitnur tagsüber, stark von der Sonnenaktivität abhängig
13 m21,45–21,85 MHz weltweitnur tagsüber, stark von der Sonnenaktivität abhängig
11 m25,67–26,1 MHz weltweitnur tagsüber, stark von der Sonnenaktivität abhängig

Der Kanalabstand beträgt 5 kHz. Weil sich die nutzbare Frequenz mit Tageszeit und Sonnenstand ändert, senden Auslandsdienste dieselbe Sendung häufig gleichzeitig in mehreren Bändern.

UKW: Frequenzmodulation und Multiplex #

UKW-Hörfunk arbeitet zwischen 87,5 und 108 MHz mit Frequenzmodulation. Der Frequenzhub beträgt höchstens 75 kHz. Frequenzmodulation ist gegenüber Amplitudenstörungen unempfindlich, weil der Empfänger die Amplitude begrenzt und nur die Frequenzabweichung auswertet — das erklärt den deutlich saubereren Klang gegenüber AM.

  1. Bis 15 kHz liegt das Summensignal aus linkem und rechtem Kanal — es allein genügt für Monoempfang.
  2. Bei 19 kHz steht der Pilotton, an dem der Empfänger erkennt, dass ein Stereosignal vorliegt.
  3. Zwischen 23 und 53 kHz liegt das Differenzsignal, aufmoduliert auf einen unterdrückten Hilfsträger bei 38 kHz.
  4. Bei 57 kHz — dem dritten Vielfachen des Pilottons — folgt RDS mit Sendername, Verkehrsfunkkennung und alternativen Frequenzen.
Δf
Frequenzhubin Hz
f_max
höchste Modulationsfrequenzin Hz
B
belegte Bandbreitein Hz
Carson-Regel für die belegte Bandbreite

Mit 75 kHz Hub und 15 kHz Modulationsfrequenz ergeben sich rund 180 kHz belegte Bandbreite. Das Kanalraster beträgt zwar nur 100 kHz, doch am selben Standort halten Sender mehrere Rasterplätze Abstand, damit sich die Spektren nicht überlappen.

Das Widget zerlegt das Multiplexsignal in seine vier Anteile und rechnet daraus die belegte Bandbreite — Mono, Stereo und Stereo mit RDS im direkten Vergleich.

UKW-Multiplex: vom Basisband zur Bandbreite

Aktuelle Werte des UKW-Multiplexsignals
BetriebsartStereo mit RDS
Frequenzhub Δf75 kHz
Höchste Basisbandfrequenz f_max59,4 kHz
Belegte Bandbreite B268,8 kHz
Modulationsindex1,26
Rasterplätze zu 100 kHz2,69
75 kHz
Belegte Bandbreite B ≈ 2·(Δf + f_max)

268,8 kHz

Höchste Basisbandfrequenz f_max

59,4 kHz

Modulationsindex 1,26

Bedarf im Kanalraster

2,7 Rasterplätze

Raster 100 kHz

Belegte Bandbreite nach Carson: B ≈ 2·(Δf + f_max). Pilotton 19 kHz, Hilfsträger 38 kHz, RDS 57 kHz — ITU-R BS.450 und IEC 62106.

DAB+ und das Gleichwellennetz #

DAB+ überträgt ein Ensemble aus mehreren Programmen gemeinsam in einem Block von 1,536 MHz Breite. Innerhalb des Blocks arbeitet das System mit COFDM: hunderte Unterträger tragen jeweils einen kleinen Teil des Datenstroms, eine Fehlerschutzkodierung verteilt die Bits über Zeit und Frequenz. Fällt ein Teil des Spektrums durch Mehrwegeauslöschung aus, rekonstruiert der Dekoder den Rest.

Der eigentliche Gewinn liegt im Gleichwellennetz: Alle Sender einer Region strahlen denselben Block mit demselben Inhalt zeitsynchron ab. Solange die Laufzeitunterschiede innerhalb des Schutzintervalls bleiben, addieren sich die Signale konstruktiv, statt sich zu stören. Ein analoger UKW-Sender bräuchte dagegen für jeden Standort eine eigene Frequenz.

Wo genau diese Grenze liegt, zeigt das Widget: Es stellt den Laufzeitunterschied zweier Sender dem Schutzintervall des gewählten Übertragungsmodus gegenüber.

Gleichwellennetz: Laufzeitunterschied und Schutzintervall

Aktuelle Werte des Gleichwellennetzes
ÜbertragungsmodusModus I (Band III, Gleichwellennetz)
Schutzintervall246 µs
Senderabstand60,0 km
Abstand zu Sender 112,0 km
Abstand zu Sender 248,0 km
Wegunterschied36,0 km
Laufzeitunterschied120 µs
Pegelunterschied12,0 dB
Im Schutzintervallja
60,0 km
20 %
Laufzeitunterschied

120 µs

Wegunterschied 36,0 km

Schutzintervall entspricht

73,7 km

246 µs · c

Gewinn durch Signaladdition

0,3 dB

Pegelunterschied 12,0 dB

Schematisch: reale Netze haben mehr als zwei Sender und ungleiche Sendeleistungen. Schutzintervall des Modus I: 246 µs — das entspricht einem Wegunterschied von 73,7 km. Quelle: ETSI EN 300 401, Tab. 38.

Ensemble
Alle Programme und Datendienste eines Blocks, gemeinsam moduliert.
Block
Kanalraster in Band III, je 1,536 MHz breit. Deutschland nutzt 5A bis 12D zwischen 174 und 230 MHz; die Zwischenblöcke 10N, 11N und 12N sowie der Kanal 13 mit 13A bis 13F bis 240 MHz sind hier nicht belegt.
Schutzintervall
Pause zwischen den Symbolen, in der Echos abklingen dürfen.
DAB+
Erweiterung mit dem effizienteren Audiocodec HE-AAC v2 und stärkerem Fehlerschutz.

DVB-T2 und Satellitenfernsehen #

Das terrestrische Fernsehen belegt in Deutschland die UHF-Kanäle 21 bis 48, jeder 8 MHz breit. Die Kanalmitte folgt einer einfachen Regel: 306 MHz plus 8 MHz mal Kanalnummer. Nach der Umwidmung des Bereichs oberhalb 694 MHz für den Mobilfunk endet der Fernsehbereich mit Kanal 48. Auch DVB-T2 nutzt COFDM und Gleichwellennetze; die höhere Effizienz gegenüber DVB-T stammt vor allem aus der Fehlerschutzkodierung mit LDPC.

Satellitenfernsehen arbeitet im Ku-Band. Der Downlink zwischen 10,7 und 12,75 GHz wird direkt an der Antenne durch den LNB auf die Satelliten-Zwischenfrequenz zwischen 950 und 2150 MHz umgesetzt, weil nur diese sich über gewöhnliches Koaxialkabel führen lässt. Zwei Oszillatorfrequenzen — 9,75 und 10,6 GHz — teilen den Bereich in ein unteres und ein oberes Band; umgeschaltet wird mit einem 22-kHz-Ton auf der Antennenleitung.

Kanal-Umrechner #

DAB-Block, DVB-T2-Kanal und UKW-Rasterplatz in beide Richtungen umrechnen.

Kanal und Frequenz umrechnen

DAB+, DVB-T2 und das UKW-Kanalraster

Blockmitte 11C

220,352 MHz

219,584–221,12 MHz

Blockbreite 1,536 MHz

Block bei 220,352 MHz

11C

219,584–221,12 MHz

Ein DAB-Ensemble belegt immer einen ganzen Block und trägt darin mehrere Programme im Zeitmultiplex. Alle Sender eines Gleichwellennetzes senden denselben Block mit demselben Inhalt und synchronisiert — der Empfänger wertet die Echos als Gewinn. Deutschland nutzt die Blöcke 5A bis 12D zwischen 174 und 230 MHz; die Zwischenblöcke 10N, 11N und 12N sowie der Kanal 13 mit 13A bis 13F (230 bis 240 MHz) sind Teil der Kanaltabelle, hier aber nicht belegt.

Warum sich die Verbreitungswege ändern #

  • Energie: Ein Mittelwellensender mit hunderten Kilowatt versorgt weniger Hörer als ein Bündel UKW- oder DAB-Sender mit einem Bruchteil der Leistung.
  • Effizienz: In einem DAB-Block liegen mehr als ein Dutzend Programme; auf einer UKW-Frequenz nur eines.
  • Frequenzdruck: Die Bereiche 700 und 800 MHz wurden vom Fernsehen an den Mobilfunk übergeben, weil sich damit Fläche günstig versorgen lässt.
  • Nutzung: Zeitversetztes Hören, Podcasts und Streaming verlagern einen Teil der Nutzung ins Netz — der terrestrische Rundfunk bleibt aber die einzige Verbreitung ohne Rückkanal und ohne Netzabhängigkeit.