Lernziele
- die Notfrequenzen von See-, Flug- und Landfunk den jeweiligen Diensten zuordnen
- den Aufbau des GMDSS mit DSC-Alarmierung und anschließendem Sprechverkehr beschreiben
- erklären, warum 121,5 MHz und 243 MHz zusammengehören
- die Rolle der 406-MHz-Baken im Cospas-Sarsat-System einordnen
- Jedermannfunk von behördlichem Sicherheitsfunk abgrenzen
Systematik
Warum es feste Notfrequenzen gibt #
Ein Notruf nützt nur, wenn jemand zuhört. Deshalb hat die internationale Gemeinschaft Frequenzen festgelegt, auf denen dauerhaft Empfangsbereitschaft besteht und auf denen nichts anderes gesendet werden darf. Diese Frequenzen sind in der Vollzugsordnung für den Funkdienst verankert und weltweit dieselben — ein Schiff kann seinen Notruf absetzen, ohne die nationalen Regeln des Küstenstaates zu kennen.
Historisch begann das mit 500 kHz: Über Jahrzehnte war das die Not- und Anruffrequenz der Seefunktelegrafie, zweimal stündlich galten dreiminütige Funkstillezeiten, in denen alle Stationen nur zuhörten. Heute übernimmt digitale Technik die Wache — der digitale Selektivruf alarmiert gezielt und übermittelt Kennung, Notfallart und Position, der Sprechverkehr folgt erst danach.
Frequenztabelle #
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Not-, Anruf- und Sicherheitsfrequenzen
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| Frequenz | Bezeichnung | Bereich | Zweck | Betriebsart |
|---|---|---|---|---|
| 500,0 kHz | 500 kHz — historische Seenot-Telegrafiefrequenz Über Jahrzehnte die weltweite Not- und Anruffrequenz der Seefunktelegrafie; hier wurde das Notzeichen SOS gesendet. Zweimal stündlich galten dreiminütige Funkstillezeiten, in denen alle Stationen nur zuhörten. Mit der vollständigen Einführung des GMDSS zum 1. Februar 1999 endete die Wachpflicht. | Seefunk | historisch | Tastung eines gedämpften bzw. später ungedämpften Trägers (A1A/A2A) |
| 518,0 kHz | NAVTEX 518 kHz — internationale Sicherheitsmeldungen Automatischer Empfang von Navigations- und Wetterwarnungen in englischer Sprache. Ergänzend dienen 490 kHz für landessprachliche und 4209,5 kHz für zusätzliche Aussendungen. | Seefunk | Sicherheit und Warnung | Schmalband-Direktdruckverfahren (F1B), 100 Baud |
| 2,182 MHz | 2182 kHz — MF-Not- und Anruffrequenz (Sprechfunk) Sprechfunk-Notfrequenz für die Küstenschifffahrt mit Reichweiten von etwa 150 Seemeilen über die Bodenwelle. Auch nach Einführung der digitalen Notalarmierung weiterhin für den anschließenden Sprechverkehr vorgesehen. | Seefunk | Notruf | Einseitenband, oberes Seitenband (J3E) |
| 2,188 MHz | 2187,5 kHz — DSC-Notalarmierung MF Digitaler Notruf im Mittelwellenbereich. Die Aussendung enthält die Kennung des Schiffes, die Notfallart und, sofern angeschlossen, die aus dem Navigationsempfänger übernommene Position. | Seefunk | Notruf | Digitaler Selektivruf (F1B), Frequenzumtastung |
| 3,760 MHz · 7,110 MHz · 14,300 MHz · 18,160 MHz · 21,360 MHz | Notfunk-Anruffrequenzen im Amateurfunk (Region 1) Die IARU hat je Band eine Frequenz als Schwerpunkt für Not- und Katastrophenfunk benannt: 3760, 7110, 14300, 18160 und 21360 kHz. Sie sind nicht gesperrt, sollen im Ereignisfall aber freigehalten werden. | Amateurfunk | Anruf und Verkehrsaufnahme | Einseitenband (J3E) |
| 4,125 MHz · 6,215 MHz · 8,291 MHz · 12,290 MHz · 16,420 MHz | HF-Sprechfunk-Notfrequenzen 4125 / 6215 / 8291 / 12290 / 16420 kHz Sprechfunkkanäle für den Not- und Sicherheitsverkehr nach erfolgter Alarmierung. 4125 kHz wird zusätzlich als Ergänzung zu 2182 kHz genutzt und auch von Luftfahrzeugen in Seenotfällen mitgehört. | Seefunk | Notruf | Einseitenband, oberes Seitenband (J3E) |
| 4,208 MHz · 6,312 MHz · 8,415 MHz · 12,577 MHz · 16,805 MHz | HF-DSC-Notfrequenzen 4207,5 / 6312 / 8414,5 / 12577 / 16804,5 kHz Fünf über die Kurzwellenbänder verteilte Kanäle für die digitale Notalarmierung auf großer Fahrt. Da die nutzbare Frequenz von Tageszeit und Ionosphäre abhängt, wird ein Notruf üblicherweise auf mehreren dieser Kanäle nacheinander abgesetzt. | Seefunk | Notruf | Digitaler Selektivruf (F1B) |
| 26,565–27,405 MHz | CB-Funk Deutschland: 26,565 bis 27,405 MHz (80 Kanäle) Die Kanäle 1 bis 40 zwischen 26,965 und 27,405 MHz sind europaweit harmonisiert; Deutschland stellt darunter zusätzlich die Kanäle 41 bis 80 zwischen 26,565 und 26,955 MHz bereit, dort ist nur FM erlaubt. Kanal 9 gilt als Notrufkanal, Kanal 19 als Fernfahrerkanal. | Jedermannfunk | Anruf und Verkehrsaufnahme | FM, AM und SSB je nach Kanal, 10 kHz Raster |
| 74,215–87,255 MHz | Analoges BOS-4-m-Band 74,215 bis 87,255 MHz Historischer Fahrzeugfunkbereich der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Wird durch den Digitalfunk abgelöst, war aber in einzelnen Ländern und für Sonderanwendungen lange parallel in Betrieb. | Landfunk und BOS | historisch | Schmalband-Frequenzmodulation |
| 117,975–137 MHz | VHF-Flugfunkband 117,975 bis 137,000 MHz Sprechfunkband der zivilen Luftfahrt. Das ursprüngliche Raster von 25 kHz wurde in Europa wegen Kanalknappheit auf 8,33 kHz verdichtet; die Amplitudenmodulation bleibt erhalten, weil sich gleichzeitig sendende Stationen dabei als hörbare Störung bemerkbar machen statt sich zu verdecken. | Flugfunk | Anruf und Verkehrsaufnahme | Amplitudenmodulation (A3E) |
| 121,500 MHz | 121,500 MHz — internationale Luftfahrt-Notfrequenz Weltweite Not- und Anruffrequenz des zivilen Flugfunks, oft als Wachfrequenz mitgehört. Ältere Notsender strahlten hier einen auf- und abschwellenden Ton ab; seit Februar 2009 wertet das Satellitensystem diese analogen Signale nicht mehr aus, für die Nahbereichspeilung bleibt die Frequenz aber in Gebrauch. | Flugfunk | Notruf | Amplitudenmodulation (A3E) |
| 144,800 MHz | APRS-Baken 144,800 MHz (Region 1) Gemeinsame Frequenz für Positions-, Wetter- und Kurznachrichtenbaken. In Übungslagen und bei Katastrophenfunk dient sie der Lagedarstellung. | Amateurfunk | Überwachung | AFSK 1200 Bit/s auf FM (AX.25) |
| 149,025 MHz · 149,038 MHz · 149,050 MHz · 149,088 MHz · 149,100 MHz · 149,113 MHz | Freenet (nur Deutschland): 6 Kanäle zwischen 149,025 und 149,1125 MHz Nationale Besonderheit im VHF-Bereich mit sechs nicht zusammenhängenden Kanälen: 149,0250 / 149,0375 / 149,0500 / 149,0875 / 149,1000 / 149,1125 MHz. Höchstens 500 mW Strahlungsleistung, keine Nutzung außerhalb Deutschlands. | Jedermannfunk | Anruf und Verkehrsaufnahme | Schmalband-Frequenzmodulation, 12,5 kHz Raster |
| 156,300 MHz | UKW-Kanal 6 (156,300 MHz) — Verkehr mit Rettungsmitteln Vorrangig für die Verständigung zwischen Schiffen, Seenotrettungseinheiten und Luftfahrzeugen bei Suchaktionen. | Seefunk | Sicherheit und Warnung | Schmalband-Frequenzmodulation (G3E) |
| 156,525 MHz | UKW-Kanal 70 (156,525 MHz) — DSC-Notalarmierung Ausschließlich für den digitalen Selektivruf reserviert; Sprechfunk ist hier nicht zulässig. Ein Tastendruck löst einen codierten Notruf an alle Stationen in Reichweite aus. | Seefunk | Notruf | Digitaler Selektivruf (G2B) |
| 156,650 MHz | UKW-Kanal 13 (156,650 MHz) — Schiffssicherheitsverkehr Direkte Absprachen zwischen Schiffsführungen zur Vermeidung von Nahbereichskollisionen, insbesondere in engen Fahrwassern. | Seefunk | Sicherheit und Warnung | Schmalband-Frequenzmodulation (G3E) |
| 156,800 MHz | UKW-Kanal 16 (156,800 MHz) — Not-, Dringlichkeits- und Anrufkanal Der wichtigste Sprechfunkkanal der Seeschifffahrt: hier werden Notrufe abgesetzt und Verbindungen aufgebaut, die anschließend auf einen Arbeitskanal wechseln. Küstenfunkstellen und viele Schiffe halten dauerhaft Hörbereitschaft. | Seefunk | Notruf | Schmalband-Frequenzmodulation (G3E) |
| 161,975 MHz | AIS 1 (161,975 MHz) Erster Kanal des automatischen Schiffsidentifizierungssystems. Schiffe senden zyklisch Kennung, Position, Kurs und Geschwindigkeit; die Sendezeitpunkte werden über eine gemeinsame Zeitbasis koordiniert, sodass sich die Stationen nicht gegenseitig überschreiben. | Seefunk | Überwachung | GMSK, Zeitschlitzverfahren (SOTDMA), 9600 Bit/s |
| 162,025 MHz | AIS 2 (162,025 MHz) Zweiter AIS-Kanal. Die Nutzung zweier Kanäle erhöht die Kapazität und erlaubt regional unterschiedliche Zuweisungen. | Seefunk | Überwachung | GMSK, Zeitschlitzverfahren (SOTDMA), 9600 Bit/s |
| 243,000 MHz | 243,000 MHz — militärische Notfrequenz Genau die doppelte Frequenz von 121,5 MHz, wodurch sich ältere Sender mit geringem Aufwand für beide Bereiche auslegen ließen. Wachfrequenz des militärischen UHF-Flugfunks. | Flugfunk | Notruf | Amplitudenmodulation (A3E) |
| 380–385 MHz | BOS-Digitalfunk TETRA, Uplink 380 bis 385 MHz Senderichtung der Handsprech- und Fahrzeugfunkgeräte im bundesweiten Digitalfunknetz der Sicherheitsbehörden. | Landfunk und BOS | Sicherheit und Warnung | π/4-DQPSK, vier Zeitschlitze je 25-kHz-Träger |
| 390–395 MHz | BOS-Digitalfunk TETRA, Downlink 390 bis 395 MHz Senderichtung der Basisstationen. Der Duplexabstand von 10 MHz erlaubt gleichzeitiges Senden und Empfangen im Endgerät. | Landfunk und BOS | Sicherheit und Warnung | π/4-DQPSK |
| 406–406,1 MHz | 406,0 bis 406,1 MHz — COSPAS-SARSAT-Notfunkbaken Digitale Notfunkbaken für Luftfahrt, Seefahrt und Personen senden hier eine eindeutige Kennung, die über eine Datenbank dem Fahrzeug oder der Person zugeordnet ist. Satelliten im niedrigen und geostationären Orbit sowie Nutzlasten auf Navigationssatelliten empfangen die Bursts und leiten sie an die Rettungsleitstellen weiter. | Satellitengestützt | Notruf | Phasenmodulierte Datenaussendung, Burst alle 50 Sekunden |
| 406,1–410 MHz | BOS-Digitalfunk, Direktbetrieb 406,1 bis 410 MHz Betrieb ohne Netzinfrastruktur, direkt von Gerät zu Gerät. Dient als Rückfallebene bei Netzausfall sowie für den Nahbereich an der Einsatzstelle. | Landfunk und BOS | Sicherheit und Warnung | π/4-DQPSK |
| 446,006–446,194 MHz | PMR446: 446,00625 bis 446,19375 MHz Anmeldefreier Jedermannfunk mit 16 Kanälen und höchstens 500 mW Strahlungsleistung; feste Antennen sind nicht zulässig. Praktische Reichweiten liegen im offenen Gelände bei wenigen Kilometern. | Jedermannfunk | Anruf und Verkehrsaufnahme | Schmalband-FM (analog) bzw. 4-FSK (digital), 12,5 kHz Raster |
| 1,030 GHz | 1030 MHz — Abfrage von Transpondern (Mode A/C/S) Auf dieser Frequenz senden Sekundärradaranlagen und Kollisionswarnsysteme ihre Abfragen. Der Bordtransponder antwortet auf einer anderen Frequenz, wodurch die Antwort deutlich stärker ist als ein passives Radarecho. | Flugfunk | Überwachung | Pulsmodulation, Pulspaare bzw. Mode-S-Abfragen |
| 1,090 GHz | 1090 MHz — Transponderantwort und ADS-B Antwortfrequenz der Bordtransponder. Beim automatischen Positionsbericht sendet das Luftfahrzeug seine aus der Satellitennavigation gewonnene Position auch unaufgefordert aus, sodass sie von Bodenstationen und anderen Flugzeugen empfangen werden kann. | Flugfunk | Überwachung | Pulspositionsmodulation, 1 Mbit/s (Extended Squitter) |
Seefunk und GMDSS #
Das Weltweite Seenot- und Sicherheitsfunksystem GMDSS verbindet Funk, Satelliten und Ortung zu einem System, in dem jeder Notruf mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Rettungsleitstelle erreicht. Die Ausrüstungspflicht richtet sich nach dem Seegebiet A1 bis A4 — also danach, wie weit ein Schiff von der Küste entfernt fährt.
- Kanal 16 (156,8 MHz)
- UKW-Not- und Anrufkanal für den Sprechverkehr in Küstennähe.
- Kanal 70 (156,525 MHz)
- Ausschließlich digitaler Selektivruf; hier läuft die Alarmierung, nicht das Gespräch.
- 2182 kHz
- Not- und Anruffrequenz im Grenzwellenbereich, Reichweite über die Bodenwelle.
- 2187,5 kHz und die HF-Kanäle
- Digitale Alarmierung auf Mittel- und Kurzwelle für Fahrt außerhalb der UKW-Reichweite.
- NAVTEX 518 kHz
- Automatischer Empfang von Warn- und Wettermeldungen als Fernschreiben.
- AIS 161,975 / 162,025 MHz
- Automatische Meldung von Kennung, Position und Kurs; auch für Seenotbaken genutzt.
Zum System gehört die MMSI, eine neunstellige Kennung jeder Seefunkstelle. Ein DSC-Notalarm überträgt sie zusammen mit der Position aus dem Navigationsempfänger — die Leitstelle weiß damit sofort, wer wo in Not ist, noch bevor ein Wort gesprochen wurde.
Flugfunk: 121,5, 243 und 406 MHz #
Der zivile Flugfunk arbeitet zwischen 118 und 137 MHz mit Amplitudenmodulation. Das ist kein Rückstand, sondern Absicht: Bei AM überlagern sich zwei gleichzeitig sendende Stationen hörbar, während FM durch den Mitnahmeeffekt die schwächere vollständig unterdrücken würde. Der Lotse merkt so, dass zwei Luftfahrzeuge gleichzeitig gesprochen haben.
Die zivile Notfrequenz ist 121,5 MHz, die militärische 243 MHz — genau das Doppelte. Der Zusammenhang ist historisch praktisch: Eine Aussendung auf 121,5 MHz erzeugt eine Oberwelle bei 243 MHz, und viele ältere Baken sendeten bewusst auf beiden Frequenzen. Seit 2009 werden Notrufe der Satellitensysteme jedoch nur noch auf 406 MHz ausgewertet.
Die 406-MHz-Baken des Systems Cospas-Sarsat senden eine kodierte Kennung mit hoher Leistung in kurzen Impulsen. Satelliten empfangen sie, bestimmen die Position über die Dopplerverschiebung oder übernehmen die von der Bake mitgesendete Satellitenposition und leiten die Meldung an die zuständige Rettungsleitstelle weiter. 121,5 MHz dient dabei nur noch als Peilfrequenz für die letzten Kilometer.
Landfunk: BOS und Jedermannfunk #
Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben nutzen in Deutschland ein bundesweites TETRA-Digitalfunknetz um 380 bis 395 MHz. Es kennt den Netzbetrieb über Basisstationen (TMO) und den Direktbetrieb zwischen Geräten (DMO), arbeitet verschlüsselt und ordnet die Teilnehmer in Rufgruppen. Die früheren analogen Bänder um 84 bis 87 MHz und 165 bis 174 MHz sind weitgehend abgelöst.
Für alle nutzbar sind dagegen die Jedermannfunk-Anwendungen: PMR446 mit 0,5 W ERP im 446-MHz-Bereich, CB-Funk mit 40 Kanälen um 27 MHz und Freenet auf sechs Kanälen um 149 MHz. Sie brauchen keine Zuteilung im Einzelfall, unterliegen aber Grenzwerten für Leistung und Antenne — und sie sind ausdrücklich kein Ersatz für einen Notruf.