Lernziele
- die Schichten D, E, F1 und F2 nach Höhe, Entstehung und Tag-Nacht-Verhalten unterscheiden
- die kritische Frequenz foF2 aus der Elektronendichte ableiten
- MUF und LUF definieren und die MUF für eine Strecke aus foF2 abschätzen
- die tote Zone (Skip Zone) erklären und ihre Abhängigkeit von Frequenz und Abstrahlwinkel beschreiben
- den Einfluss des Sonnenfleckenzyklus und plötzlicher Störungen (Mögel-Dellinger-Effekt) einordnen
Schichten und Reflexion im Diagramm #
Das interaktive Diagramm zeigt die Schichten, den Strahlverlauf und die Kenngrößen für Tag und Nacht.
Ionosphärische Ausbreitung
MUF, LUF und Sprungdistanz
5,5MHz
senkrechter Einfall
18,0MHz
Sekantengesetz MUF = foF2 · sec φ
9,0MHz
schematisch, abhängig von D-Schicht und Sendeleistung
möglich
Frequenz liegt zwischen LUF und MUF
- D-Schicht (60–90 km)
- E-Schicht (90–150 km)
- F1-Schicht (150–250 km)
- F2-Schicht (250–400 km)
| Frequenz | 14,0 MHz |
|---|---|
| Kritische Frequenz foF2 | 5,5 MHz |
| MUF | 18,0 MHz |
| LUF | 9,0 MHz |
| Reflexionshöhe | 300 km |
Ionosphärische Schichten #
Vier Schichten mit unterschiedlicher Höhe, Ionisation und Wirkung auf die Funkwellen (Daten: IONOSPHERIC_LAYERS).
D-Schicht
60–90 km · Maximum bei 75 km
Die unterste Schicht entsteht durch Röntgenstrahlung der Sonne und verschwindet nach Sonnenuntergang wegen der hohen Luftdichte sehr schnell.
- Tag / Nacht
- ja / nein
- Tag: absorbiert niedrige HF-Frequenzen stark
- Nacht: löst sich vollständig auf
- Hauptursache der Tagesdämpfung bei MF und HF
E-Schicht
90–150 km · Maximum bei 110 km
Reflektiert Mittelwelle und untere Kurzwelle; verschwindet einige Stunden nach Sonnenuntergang. Die sporadische E-Schicht (Es) ermöglicht VHF-Überreichweiten.
- Tag / Nacht
- ja / nein
- Reflektiert Frequenzen bis etwa 10 MHz
- Sporadic E: dünne, stark ionisierte Wolken
- Metallionen aus Meteoren als Ursache
F1-Schicht
150–250 km · Maximum bei 200 km
Nur tagsüber als eigene Schicht vorhanden, am ausgeprägtesten im Sommer mittlerer Breiten. Verschmilzt nachts mit der F2-Schicht zur F-Region.
- Tag / Nacht
- ja / nein
- Tagsüber eigenständige Reflexionsschicht
- Beeinflusst mittlere HF-Frequenzen
- Nachts: Teil der einheitlichen F-Region
F2-Schicht
250–400 km · Maximum bei 300 km
Die wichtigste Schicht für HF-Weitverkehr. Tag und Nacht vorhanden; die Ionisation nimmt nachts ab, verschwindet aber nicht.
- Tag / Nacht
- ja / ja
- Bestimmt die MUF
- Höhe und Dichte variieren mit dem Sonnenzyklus
- Ermöglicht weltweite Kurzwellenverbindungen
Die vier Schichten sind kein fester Aufbau, sondern das Ergebnis der Sonneneinstrahlung — und sie bilden sich jede Nacht neu zurück. Das folgende Widget fährt einen ganzen Tag ab: Mit der Sonne wächst die Elektronendichte, die D-Schicht entsteht und schluckt die unteren Bänder, F1 und F2 trennen sich; nach Sonnenuntergang bleibt allein die F2-Schicht mit etwa halber Dichte übrig.
Kenngrößen: foF2, MUF, LUF #
Drei Frequenzen beschreiben, was die Ionosphäre gerade kann.
- foF2
- Höchste bei senkrechtem Einfall reflektierte Frequenzin Hz
- N_e,max
- Maximale Elektronendichtein e⁻/m³
- foF2
- Kritische Frequenz der F2-Schicht, weltweit von Ionosonden gemessen. Sie steigt mit der Sonnenaktivität.
- MUF
- Maximum Usable Frequency – die höchste Frequenz, die für eine bestimmte Strecke noch reflektiert wird. Der klassische Faktor M(3000)F2 liegt bei 2,5–3,5.
- LUF
- Lowest Usable Frequency – darunter reicht das Signal wegen der D-Schicht-Absorption nicht mehr. Mehr Sendeleistung senkt die LUF; nachts liegt sie deutlich tiefer.
- FOT
- Frequency of Optimum Traffic – etwa 85 % der MUF, ein Sicherheitsabstand gegen Schwankungen.
Sprungdistanz und tote Zone #
Zwischen dem Ende der Bodenwelle und dem ersten Auftreffpunkt der Raumwelle herrscht Funkstille.
Liegt die Betriebsfrequenz über foF2, kehrt nur ein hinreichend flach abgestrahlter Strahl zur Erde zurück. Die kürzeste Entfernung, in der das gelingt, ist die Sprungdistanz. Beispiel: 14 MHz bei foF2 = 5 MHz und 300 km Reflexionshöhe → 1.978 km. Typische tote Zonen reichen von 100 bis 2.500 km; höhere Frequenzen und flachere Winkel vergrößern sie.
Verständnisfrage: Ein Sender auf 21 MHz wird in 3000 km Entfernung laut gehört, in 300 km Entfernung aber gar nicht. Warum?
Die Bodenwelle reicht bei 21 MHz nur wenige Dutzend Kilometer, und für 300 km müsste der Strahl so steil abgestrahlt werden, dass die Frequenz über der dortigen MUF liegt – er durchdringt die Ionosphäre. Erst bei flacherem Einfall (größere Entfernung) reicht das Sekantengesetz aus, um ihn zurückzubiegen: 300 km liegt in der toten Zone.
Sonnenaktivität und Funkausbreitung #
Die Ionisation wird primär durch solare UV- und Röntgenstrahlung erzeugt; der etwa 11-jährige Sonnenfleckenzyklus prägt die Kurzwelle.
Sonnenfleckenminimum
Solarer Flux SFI 65–80
- Niedrigere MUF (typisch 8–12 MHz)
- Bessere Ausbreitung auf den niedrigen Bändern
- 40-m- und 80-m-Band optimal
- Obere HF-Bänder oft geschlossen
Sonnenfleckenmaximum
Solarer Flux SFI 150–300
- Höhere MUF (typisch 15–35 MHz)
- Bessere Ausbreitung auf den hohen Bändern
- 10-m- und 15-m-Band optimal
- Gelegentlich Öffnungen im 6-m-Band
Quellen
- ITU-R P.1239 – Referenz-Ionosphärenparameter (foF2, M(3000)F2).
- K. Davies, Ionospheric Radio, IET 1990 – Sekantengesetz, Sprungdistanz im Spiegelmodell.
- NASA GSFC / NOAA SWPC – Sonnenaktivität und ionosphärische Störungen.