Modulation

Wie eine Nachricht auf einen Träger kommt — von der Amplitudenmodulation des Mittelwellenrundfunks bis zu den Konstellationen des Mobilfunks.

Lesezeit: rund 12 Minuten · Grundlage: ITU-R SM.328

Lernziele

  • erklären, warum ein Nutzsignal überhaupt auf einen Träger aufgebracht wird
  • Amplituden-, Frequenz- und Phasenmodulation an Zeitverlauf und Spektrum unterscheiden
  • den Modulationsgrad, den Frequenzhub und die Carson-Bandbreite berechnen
  • ein Konstellationsdiagramm lesen und Symbolrate von Bitrate trennen
  • einschätzen, warum höherwertige Verfahren mehr Störabstand brauchen
  • OFDM und die Spreizverfahren in das Gesamtbild einordnen

Warum überhaupt modulieren? #

Ein Mikrofon liefert Frequenzen von etwa 300 Hz bis 15 kHz, ein Datenstrom aus einem Rechner sogar Anteile bis herab zu 0 Hz. Solche Basisbandsignale lassen sich nicht sinnvoll abstrahlen: Eine Antenne arbeitet erst dann brauchbar, wenn ihre Abmessungen in der Größenordnung der Wellenlänge liegen. Für 3 kHz wären das 100 Kilometer — unbezahlbar und unbaubar.

Modulation verschiebt das Nutzsignal deshalb in einen hohen Frequenzbereich, in dem Antennen handlich, Bauteile klein und Bandbreiten reichlich vorhanden sind. Gleichzeitig löst sie drei weitere Aufgaben: Sie erlaubt es, viele Teilnehmer auf getrennten Frequenzen nebeneinander zu betreiben (Frequenzmultiplex), sie passt das Signal an die Eigenschaften des Übertragungswegs an, und sie erlaubt den Tausch von Bandbreite gegen Störfestigkeit — wer mehr Bandbreite ausgibt, kommt mit weniger Sendeleistung aus.

Der letzte Punkt ist der eigentliche Schlüssel. Fast jede Entscheidung in der Nachrichtentechnik ist ein Handel zwischen Bandbreite, Leistung und Komplexität. Die Modulationsart bestimmt, welchen Kurs man dabei fährt.

Träger, Basisband, Seitenbänder #

Der Träger ist eine reine Sinusschwingung. Er hat genau drei Eigenschaften, an denen sich etwas verändern lässt: Amplitude, Frequenz und Phase. Damit sind auch schon alle Grundverfahren benannt — jede reale Modulation ist eine dieser drei oder eine Kombination daraus.

Sobald eine dieser Größen im Takt der Nachricht verändert wird, ist der Träger nicht mehr monofrequent. Um ihn herum entstehen Seitenbänder, die die eigentliche Information tragen. Ihre Lage und Breite bestimmen, wie viel Platz das Signal im Spektrum belegt — und damit, wie viele Teilnehmer in ein Band passen.

Ein unmodulierter Träger überträgt keine Information. Er ist im Spektrum eine einzelne Linie und verbraucht trotzdem Leistung. Bei der klassischen Amplitudenmodulation steckt deshalb im günstigsten Fall nur ein Drittel der Sendeleistung im Nutzsignal.

Analoge Verfahren #

Analoge Verfahren bilden den Momentanwert des Nutzsignals unmittelbar auf eine Trägereigenschaft ab. Sie sind einfach, alt und keineswegs überholt: Flugfunk und Seenotfunk arbeiten aus guten Gründen bis heute mit Amplitudenmodulation, der Betriebsfunk mit Schmalband-FM.

Modulations-Visualisierer

Verfahren umschalten, Regler bewegen und beobachten, was mit Zeitverlauf und Spektrum geschieht. Alle Kurven werden im Browser berechnet.

Die Amplitude des Trägers folgt der Nachricht.

3,00 kHz
45,00 kHz

Für eine lesbare Darstellung auf das 3- bis 24-fache der Nachrichtenfrequenz begrenzt.

60 %
Belegte Bandbreite: B = 6,00 kHz

Zeitbereich

Eingestellte Werte
VerfahrenAM
Nachrichtenfrequenz3,00 kHz
Trägerfrequenz45,00 kHz
Belegte Bandbreite6,00 kHz

Spektrum

Spektrallinien, Ablage zur Trägerfrequenz
unteres Seitenband42,00 kHz0,30
Träger45,00 kHz1,00
oberes Seitenband48,00 kHz0,30
Vereinfachte Darstellung: reine Sinus- bzw. Rechteck-Nachricht, ideale Erzeugung ohne Filter.

Amplitudenmodulation, DSB und SSB #

Bei der Amplitudenmodulation folgt die Hüllkurve des Trägers dem Nutzsignal. Der Modulationsgrad m gibt an, wie stark: Bei m = 1 schwankt die Amplitude zwischen null und dem doppelten Ruhewert. Wird m größer als 1, klappt die Hüllkurve durch die Nulllinie hindurch, ein Hüllkurvendemodulator liefert dann Verzerrungen, und im Spektrum entstehen zusätzliche Linien weit außerhalb des zugewiesenen Kanals. Diese Übermodulation ist der klassische Bedienfehler.

Im Spektrum erscheinen der Träger und zwei spiegelbildliche Seitenbänder. Beide enthalten dieselbe Information — hier lässt sich sparen. Verzichtet man auf den Träger, entsteht die Zweiseitenbandmodulation ohne Träger (DSB-SC); verzichtet man zusätzlich auf ein Seitenband, die Einseitenbandmodulation (SSB). SSB halbiert die Bandbreite und steckt die gesamte Leistung ins Nutzsignal. Der Preis ist ein aufwendigerer Empfänger: Weil der Träger im Empfänger neu erzeugt wird, macht sich jede Frequenzabweichung sofort als Tonhöhenverschiebung bemerkbar — der bekannte „Donald-Duck-Effekt" beim Abstimmen.

A
Amplitude des unmodulierten Trägersin V
m
Modulationsgrad, 0 bis 1 ohne Übermodulation
n(t)
Nachrichtensignal, auf ±1 normiert
f_c
Trägerfrequenzin Hz
Amplitudenmodulation im Zeitbereich
B
belegte Bandbreitein Hz
f_max
höchste im Nutzsignal enthaltene Frequenzin Hz
Bandbreite von AM und DSB; bei SSB entfällt der Faktor 2

Frequenz- und Phasenmodulation #

Bei der Frequenzmodulation bleibt die Amplitude konstant, die Augenblicksfrequenz folgt dem Nutzsignal. Das hat zwei Folgen von großer praktischer Bedeutung. Erstens lassen sich Amplitudenstörungen — Zündfunken, Blitze, Übersprechen — im Empfänger schlicht abschneiden, weshalb FM deutlich rauschärmer klingt als AM. Zweitens dürfen die Endstufen im Sättigungsbereich arbeiten, was den Wirkungsgrad erheblich verbessert.

Der Frequenzhub Δf gibt an, wie weit die Augenblicksfrequenz maximal von der Ruhelage abweicht. Zusammen mit der höchsten Modulationsfrequenz ergibt er den Modulationsindex β = Δf / f_max. Anders als bei AM ist das Spektrum eines frequenzmodulierten Signals streng genommen unendlich breit: Die Amplituden der Seitenbandpaare folgen Besselfunktionen und klingen erst allmählich ab. Die Carson-Regel liefert die praktisch brauchbare Abschätzung — sie erfasst rund 98 Prozent der Leistung.

Die Phasenmodulation ist die nahe Verwandte: Hier folgt die Phasenlage dem Nutzsignal. Ein PM-Sender mit vorgeschaltetem Integrator verhält sich wie ein FM-Sender und umgekehrt; in der Praxis ist PM vor allem ein bequemer Erzeugungsweg für FM.

B
belegte Bandbreite, rund 98 % der Leistungin Hz
Δf
Frequenzhubin Hz
f_max
höchste Modulationsfrequenzin Hz
β
Modulationsindex; β ≤ 1 heißt Schmalband-FM
Carson-Regel für FM und PM

Carson-Rechner

Belegte Bandbreite B

180,00 kHz

B = 2 · (Δf + f_max)

Modulationsindex β

5,00

Breitband-FM (β > 1)

Δf = 75 kHz, f_max = 15 kHz — daraus folgt das bekannte 180-kHz-Kanalraster.

Digitale Verfahren #

Digitale Verfahren übertragen keine kontinuierlichen Werte mehr, sondern eine endliche Zahl unterscheidbarer Zustände — Symbole. Der Empfänger muss nur noch entscheiden, welches Symbol gesendet wurde. Solange er sich dabei nicht irrt, ist das Signal exakt wiederhergestellt; kleine Störungen verschwinden vollständig. Genau das macht Digitalübertragung so mächtig.

Die drei Grundformen entsprechen den drei Trägereigenschaften: Bei der Amplitudenumtastung (ASK) wird der Träger ein- und ausgeschaltet, bei der Frequenzumtastung (FSK) zwischen zwei Frequenzen umgeschaltet, bei der Phasenumtastung (PSK) die Phase gesprungen. ASK ist am einfachsten und am störanfälligsten, FSK hat eine konstante Hüllkurve und ist deshalb im Sender sparsam, PSK nutzt den Signalraum am besten aus.

Werden Amplitude und Phase gleichzeitig ausgewertet, entsteht die Quadraturamplitudenmodulation (QAM). 16-QAM überträgt vier Bit je Symbol, 64-QAM sechs, 256-QAM acht. Jede weitere Stufe verlangt einen saubereren Kanal, einen linearen Sendeverstärker und einen stabileren Oszillator.

Das Konstellationsdiagramm #

Ein Konstellationsdiagramm trägt die Symbole in der komplexen Ebene auf: waagerecht die Inphase-Komponente I, senkrecht die um 90 Grad versetzte Quadratur-Komponente Q. Jeder Punkt ist ein Symbol, sein Abstand vom Ursprung die Amplitude, sein Winkel die Phase.

Rauschen verwandelt jeden Punkt in eine Wolke. Solange die Wolken getrennt bleiben, entscheidet der Empfänger richtig; überlappen sie, entstehen Symbolfehler. Der Abstand benachbarter Punkte ist deshalb das entscheidende Maß — und er wird kleiner, je mehr Punkte man in dieselbe Fläche packt.

Die Bitmuster werden nach dem Gray-Code vergeben: Benachbarte Punkte unterscheiden sich in genau einem Bit. Verwechselt der Empfänger zwei Nachbarn — der weitaus häufigste Fall — ist auch nur ein einziges Bit falsch statt mehrerer. Das senkt die Bitfehlerrate ohne jeden Zusatzaufwand.

Konstellation mit Rauschen

Der Regler verschlechtert den Störabstand. Bei welchem Wert berühren sich die Wolken benachbarter Symbole?

20,0 dB
Bit je Symbol: 2 Bit/Symbol Symbolzustände: M = 4 Ideale spektrale Effizienz: 2 Bit/s/Hz Bewertung: ausreichend — erforderliches E_s/N₀ für BER 10⁻⁶: 13,5 dB
Ideale Symbolpunkte mit Gray-codiertem Bitmuster
BitsIQ
001,000,00
010,001,00
11-1,000,00
100,00-1,00
Rauschstreuung je Komponente σ0,071 bei 20,0 dB E_s/N₀
Erforderliches E_s/N₀ für BER 10⁻⁶13,5 dB
Erforderliches E_b/N₀ für BER 10⁻⁶10,5 dB
Rauschmodell: additives weißes Gaußsches Rauschen, mittlere Symbolleistung auf 1 normiert; daraus folgt die Streuung je Komponente σ = √(1/(2·E_s/N₀)). Die erforderlichen Störabstände gelten für eine Bitfehlerrate von 10⁻⁶ bei Gray-Codierung (Proakis/Salehi, Digital Communications, 5. Aufl., Gl. 4.3-13 und 4.3-30; Sklar, 2. Aufl., Tab. 4.1).

Symbolrate, Bitrate, spektrale Effizienz #

Die Symbolrate R_s zählt die Symbole je Sekunde und wird in Baud angegeben. Die Bitrate R_b zählt die Bits. Beide sind nur bei zweiwertigen Verfahren gleich; sonst gilt R_b = R_s · log₂(M). Ein 64-QAM-Signal mit einer Million Symbolen je Sekunde trägt sechs Megabit je Sekunde — bei unveränderter Bandbreite, denn die Bandbreite hängt an der Symbolrate, nicht an der Bitrate.

Das Verhältnis von Bitrate zu belegter Bandbreite ist die spektrale Effizienz in Bit/s/Hz. Sie lässt sich nicht beliebig steigern: Die Shannon-Grenze verknüpft sie mit dem Störabstand. Grob gilt, dass jedes zusätzliche Bit je Symbol rund 6 dB mehr Störabstand verlangt. Genau deshalb schaltet ein Mobilfunkgerät am Zellenrand auf QPSK herunter, während es in Zellmitte 256-QAM fährt.

R_b
Bitratein Bit/s
R_s
Symbolratein Baud
M
Zahl der Symbolzustände
η
spektrale Effizienzin Bit/s/Hz
Symbolrate, Bitrate und spektrale Effizienz

Mehrträger- und Spreizverfahren #

Ein einzelner breitbandiger Träger hat ein Problem: Echos aus Mehrwegeausbreitung verschmieren die kurzen Symbole ineinander. OFDM löst das, indem es den Datenstrom auf hunderte bis tausende schmale Unterträger verteilt. Jedes Symbol wird dadurch sehr lang, und ein vorangestelltes Schutzintervall fängt die restliche Verzögerung auf. Die Unterträger stehen orthogonal zueinander: Im Maximum jedes Unterträgers haben alle anderen eine Nullstelle, sodass sie sich trotz Überlappung nicht stören.

Erkauft wird das mit einem hohen Verhältnis von Spitzen- zu Mittelwertleistung. Addieren sich viele Unterträger zufällig in Phase, entstehen kurze, hohe Spitzen, die eine lineare und damit ineffiziente Endstufe erzwingen. OFDM ist die Grundlage von DAB+, DVB-T2, WLAN, LTE und 5G NR.

Die Spreizverfahren gehen den umgekehrten Weg: Sie verteilen ein schmalbandiges Signal absichtlich über eine große Bandbreite. Beim Direktsequenzverfahren (DSSS) geschieht das durch Multiplikation mit einer schnellen Codefolge; der Empfänger gewinnt beim Zurückrechnen den Prozessgewinn. Beim Frequenzsprungverfahren (FHSS) wechseln Sender und Empfänger nach einem gemeinsamen Muster laufend die Frequenz, sodass ein schmalbandiger Störer immer nur einen Bruchteil trifft. LoRa nutzt Chirps — lineare Frequenzdurchläufe über den ganzen Kanal —, deren Startpunkt die Information trägt; damit ist Empfang deutlich unterhalb des Rauschpegels möglich.

Warum sich Hunderte Unterträger überlappen dürfen, ohne sich zu stören: Auf der Mittenfrequenz jedes Trägers haben alle anderen genau eine Nullstelle — solange der Abstand Δf = 1/T_s eingehalten wird.

OFDM: orthogonale Unterträger

OFDM-Parameter bei den eingestellten Werten
Zahl der Unterträger N6
Trägerabstand Δf15,00 kHz
Symboldauer T_s = 1/Δf66,67 µs
Nominelle Bandbreite N·Δf90,00 kHz
Bandbreite von Null zu Null105,00 kHz
Bit je Unterträgersymbol4
Bruttodatenrate360,00 kbit/s
Übersprechen in der Trägermitte0,000000
6
15,0 kHz
Symboldauer T_s = 1/Δf

66,67 µs

je länger das Symbol, desto enger die Träger

Belegte Bandbreite N·Δf

90,00 kHz

Bruttodatenrate

360,00 kbit/s

N · 4 Bit · Δf, ohne Schutzintervall

Übersprechen in der Trägermitte

0,000000

null: die Träger sind orthogonal

Δf = 1/T_s ist die Orthogonalitätsbedingung. Amplituden auf 1 normiert; Schutzintervall (Cyclic Prefix) und Filterung sind nicht dargestellt. Referenz: LTE mit Δf = 15 kHz (3GPP TS 36.211).

G_p
Prozessgewinnin dB
R_c
Chiprate der Spreizfolgein Chip/s
R_b
Nutzdatenratein Bit/s
Prozessgewinn eines Direktsequenz-Spreizverfahrens

Verfahren im Vergleich #

Die Tabelle stellt die Verfahren aus der Projektdatenbank gegenüber. Die spektrale Effizienz ist ein Richtwert realer Systeme einschließlich Kanalcodierung und Schutzintervallen, nicht der theoretische Grenzwert.

Modulationsverfahren mit Klasse, Bit je Symbol, spektraler Effizienz, typischer Bandbreite und Robustheit
VerfahrenKlasseBit/SymbolBit/s/Hztypische BandbreiteRobustheitAnwendung
AM (A3E)analog——9,00 kHzgeringMittelwellen- und Kurzwellenrundfunk
DSB-SCanalog——6,00 kHzgeringStereo-Differenzsignal im UKW-Rundfunk
SSB (J3E)analog——2,70 kHzmittelKurzwellen-Amateurfunk
FM (F3E)analog——180,00 kHzhochUKW-Rundfunk
PM (G3E)analog——16,00 kHzhochErzeugung von FM in Sendern
ASK / OOKdigital, Einzelträger10,50200,00 kHzsehr geringFunkfernsteuerungen 433 MHz
FSK / GFSK / GMSKdigital, Einzelträger11,35200,00 kHzhochGSM
BPSKdigital, Einzelträger10,802,00 MHzsehr hochSatellitennavigation
QPSKdigital, Einzelträger21,605,00 MHzhochUMTS
16-QAMdigital, Einzelträger43,0020,00 MHzmittelLTE
64-QAMdigital, Einzelträger64,5020,00 MHzgeringLTE
256-QAMdigital, Einzelträger86,0020,00 MHzsehr geringLTE-Advanced
OFDMdigital, Mehrträger—5,0020,00 MHzhochDAB+
DSSS / CDMASpreizband10,105,00 MHzsehr hochGPS und Galileo
FHSSSpreizband10,701,00 MHzhochBluetooth
LoRa (CSS)Spreizband70,02125,00 kHzsehr hochLoRaWAN-Sensornetze