Lernziele
- begründen, warum der Flugfunk amplitudenmoduliert arbeitet und nicht frequenzmoduliert
- eine 8,33-kHz-Kanalbezeichnung in die tatsächlich gesendete Frequenz umrechnen
- die Funknavigationsanlagen NDB, VOR, ILS und DME nach Messgröße und Frequenzbereich unterscheiden
- den Unterschied zwischen Primärradar, Sekundärradar und ADS-B erklären
- einordnen, welche Funkwege ein Verkehrsflugzeug über dem Nordatlantik nutzt
Grundlagen
Sprechfunk zwischen 118 und 137 MHz #
Warum ausgerechnet Amplitudenmodulation — und warum das kein Rückstand ist.
Der zivile Flugfunk arbeitet zwischen 118 und 137 MHz mit Amplitudenmodulation und Doppelseitenband. Das wirkt altertümlich, ist aber eine bewusste Entscheidung. Sprechen zwei Stationen gleichzeitig, überlagern sich bei Amplitudenmodulation beide Signale hörbar — es entsteht ein charakteristisches Heulen, und der Lotse weiß, dass er nachfragen muss. Bei Frequenzmodulation würde der Mitnahmeeffekt dazu führen, dass der stärkere Sender den schwächeren vollständig unterdrückt; die zweite Freigabe wäre spurlos verschwunden.
Ein zweiter Grund ist die Empfangsstruktur: Alle Luftfahrzeuge auf einer Frequenz hören einander mit. Diese „Party Line" ist ein wesentlicher Teil des Lagebildes im Cockpit — man weiß, wer sonst noch im Sektor ist und was ihm aufgetragen wurde. Ein selektives Verfahren würde diesen Nebeneffekt zerstören.
Der Bereich ist nach Aufgaben gegliedert: Um die Notfrequenz 121,500 MHz bleibt ein Schutzabstand frei, im unteren Teil des Bandes liegen überwiegend die Frequenzen der Flugverkehrskontrolle und der Flugplatzdienste, im oberen die Betriebsfrequenzen der Luftfahrtunternehmen und die Datenverbindungen. Die militärische Notfrequenz 243,000 MHz ist genau die doppelte zivile — historisch praktisch, weil eine Aussendung auf 121,5 MHz eine Oberwelle bei 243 MHz erzeugt.
Vom 25-kHz- zum 8,33-kHz-Raster #
Der europäische Luftraum ging die Frequenzen aus. Statt das Band zu erweitern — die Nachbarbereiche sind belegt — wurde der Kanalabstand gedrittelt: Aus jedem 25-kHz-Rasterplatz wurden drei Kanäle im Abstand von exakt 8⅓ kHz. Rechnerisch verdreifacht das die Kanalzahl von 760 auf 2280.
Damit entstand ein Problem, das bis heute für Verwirrung sorgt: Die neuen Frequenzen sind krumm. 118,008 333 MHz lässt sich weder im Sprechfunk sauber ansagen noch auf ein Fünfstellendisplay bringen. ICAO hat deshalb Bezeichnung und Frequenz getrennt. Was im Cockpit eingestellt und über Funk genannt wird, ist eine Kanalnummer — sie sieht wie eine Frequenz aus, ist aber keine.
| Bezeichnung | Tatsächliche Frequenz | Kanalabstand |
|---|---|---|
| 118.000 | 118,000 000 MHz | 25 kHz |
| 118.005 | 118,000 000 MHz | 8,33 kHz |
| 118.010 | 118,008 333 MHz | 8,33 kHz |
| 118.015 | 118,016 667 MHz | 8,33 kHz |
| 118.030 | 118,025 000 MHz | 8,33 kHz |
Die Systematik ist einfach, sobald man sie einmal gesehen hat: Innerhalb jedes 25-kHz-Platzes tragen die drei Kanäle die Endungen 05, 10 und 15 — dann folgt der nächste Platz mit 30, 35, 40, danach 55, 60, 65 und schließlich 80, 85, 90. Die Endungen 20, 45, 70 und 95 sind nicht vergeben; sie wären im Sprechfunk zu leicht mit den benachbarten zu verwechseln. Endungen auf 00, 25, 50 und 75 bezeichnen weiterhin klassische 25-kHz-Kanäle.
8,33-kHz-Kanalrechner #
Kanalbezeichnung und tatsächliche Frequenz in beide Richtungen — mit dem Frequenzlineal eines 100-kHz-Abschnitts.
Not- und Peilfrequenzen #
- 121,500 MHz
- Zivile Notfrequenz, weltweit einheitlich. Sie wird von Flugsicherungsstellen und vielen Luftfahrzeugen mitgehört und dient auch der Verständigung, wenn die zugewiesene Frequenz verloren geht.
- 243,000 MHz
- Militärische Notfrequenz im UHF-Bereich — genau das Doppelte der zivilen.
- 406,0 bis 406,1 MHz
- Notsender ELT im System Cospas-Sarsat. Die Aussendung trägt eine weltweit eindeutige Kennung und bei modernen Geräten die eigene Position.
- 75 MHz
- Markierungsfunkfeuer. Alle senden auf derselben Frequenz und strahlen senkrecht nach oben; unterschieden werden sie über den Modulationston.
Seit 2009 werten die Satelliten des Systems Cospas-Sarsat nur noch die 406-MHz-Aussendungen aus. Der frühere Empfang von 121,5 MHz wurde eingestellt, weil das analoge Signal keine Kennung trug: Neun von zehn Alarmen waren Fehlauslösungen, und ohne Kennung ließ sich das nicht vorab klären. Auf 121,5 MHz sendet die Bake heute nur noch ein schwaches Peilsignal für die letzten Kilometer.
Frequenzbereiche #
Alle Bereiche des Flugfunk- und Flugnavigationsdienstes, nach Aufgabe filterbar.
Frequenzbereiche der Luftfahrt
Sprechfunk, Navigation, Überwachung und Datenverbindungen
| System | Frequenzbereich | Raster | Betriebsart |
|---|---|---|---|
| NDB — ungerichtetes Funkfeuer Die älteste Funknavigationshilfe: Das Bordgerät peilt die Richtung zur Bake und zeigt sie relativ zur Flugzeuglängsachse an. Reichweite und Genauigkeit hängen stark von Tageszeit, Gewittern und Küstenlinien ab. | 190 kHz – 1,8 MHz | 1,00 kHz | Träger mit Kennungstastung (N0N A2A), Peilung im Bordgerät ADF |
| Markierungsfunkfeuer Alle Markierungsbaken senden auf 75 MHz und strahlen nach oben. Weil sie nur beim Überflug empfangen werden, genügt eine einzige Frequenz; unterschieden wird über den Modulationston. | 74,8–75,2 MHz | — | Amplitudenmodulierter Träger mit Tonkennung, senkrecht abstrahlend |
| VOR — UKW-Drehfunkfeuer Das Drehfunkfeuer sendet ein rundum gleiches Referenzsignal und ein umlaufendes Signal. Aus der Phasendifferenz beider Signale ergibt sich die Richtung vom Sender aus — die Radiale. Zwischen 108 und 112 MHz teilt sich VOR den Bereich mit dem Landekurssender. | 108–117,975 MHz | 50,00 kHz | Amplitudenmodulierter Referenz- und Drehanteil, Phasenvergleich |
| ILS-Landekurssender (Localizer) Der Landekurssender liegt am Ende der Bahn und spannt die Ebene der Anfluggrundlinie auf. Links überwiegt der 90-Hz-Ton, rechts der 150-Hz-Ton; im Kurs sind beide gleich stark. Belegt werden nur die ungeraden Zehntel-MHz. | 108,1–111,975 MHz | 50,00 kHz | Zwei überlagerte Modulationstöne 90 Hz und 150 Hz, Differenzauswertung |
| ILS-Gleitwegsender (Glide Path) Der Gleitwegsender steht seitlich der Aufsetzzone und legt den Anflugwinkel fest, üblicherweise 3°. Jede Landekursfrequenz ist fest mit einer Gleitwegfrequenz gepaart, sodass der Pilot nur eine Frequenz einstellt. | 328,6–335,4 MHz | 150,00 kHz | Dasselbe 90/150-Hz-Verfahren, jedoch in der Höhe |
| VHF-Sprechfunk Der Arbeitsbereich zwischen Lotse und Cockpit. Amplitudenmodulation ist Absicht: Sprechen zwei Stationen gleichzeitig, hört man beide überlagert — bei Frequenzmodulation würde die stärkere die schwächere vollständig verdrängen. | 118–137 MHz | 25,00 kHz | Amplitudenmodulation mit Doppelseitenband (A3E) |
| UHF-Sprechfunk (militärisch) Militärischer Flugfunk mit gleicher Betriebsart wie der zivile Bereich. Die Notfrequenz 243 MHz liegt genau bei der doppelten zivilen Notfrequenz. | 225–399,975 MHz | 25,00 kHz | Amplitudenmodulation, 25-kHz-Raster |
| DME — Entfernungsmessgerät Das Bordgerät fragt mit Impulspaaren an, die Bodenstation antwortet nach einer festen Verzögerung. Aus der Laufzeit folgt die Schrägentfernung. Abfrage und Antwort liegen 63 MHz auseinander; die Kanalwahl erfolgt über die zugeordnete VOR- oder ILS-Frequenz. | 962 MHz – 1,2 GHz | 1,00 MHz | Impulspaare, Laufzeitmessung zwischen Abfrage und Antwort |
| Sekundärradar SSR Das Sekundärradar misst nicht das Echo, sondern fragt den Transponder im Luftfahrzeug ab. Die Antwort enthält Kennung und Flughöhe. Modus S adressiert jedes Luftfahrzeug einzeln über eine weltweit eindeutige 24-Bit-Adresse. | 1,03–1,09 GHz | — | Abfrage 1030 MHz, Antwort 1090 MHz; Modus A/C und Modus S |
| ADS-B über 1090 MHz Das Luftfahrzeug sendet unaufgefordert Position, Höhe, Geschwindigkeit und Kennung aus der eigenen Navigationsanlage. Jeder Empfänger in Reichweite kann mithören — das ist die Grundlage der öffentlichen Flugverfolgung. | 1 GHz | — | Extended Squitter, Pulspositionsmodulation, 1 Mbit/s |
| ACARS über VHF Kurze Textnachrichten zwischen Cockpit und Betrieb: Abflugzeiten, Wetter, Störungsmeldungen. In Europa arbeitet der Hauptkanal auf 131,725 MHz, weltweit dient 131,550 MHz als Grundkanal. | 129–136,975 MHz | 25,00 kHz | Minimum-Shift-Keying auf einem AM-Träger, 2400 bit/s |
| HF-Flugfunk Über Ozeanen und Polargebieten gibt es keine VHF-Abdeckung. Der Kurzwellenverkehr läuft in mehreren Bandsegmenten zwischen 2,85 und 22 MHz; die nutzbare Frequenz wechselt mit Tageszeit und Sonnenaktivität. | 2,85–22 MHz | 3,00 kHz | Einseitenband, oberes Seitenband (J3E), 3-kHz-Kanäle |
| Satcom im L-Band Sprech- und Datenverbindungen über Satellit ersetzen die Kurzwelle zunehmend. Der Abwärtsweg liegt bei 1525 bis 1559 MHz, der Aufwärtsweg bei 1626,5 bis 1660,5 MHz. | 1,525–1,6605 GHz | — | Digitale Sprach- und Datenkanäle über geostationäre und umlaufende Satelliten |
| Funkhöhenmesser Der Funkhöhenmesser misst die tatsächliche Höhe über Grund und ist damit für die letzten Meter der Landung unentbehrlich. Die Nachbarschaft zu Mobilfunkbändern im C-Band wird deshalb aufmerksam beobachtet. | 4,2–4,4 GHz | — | Frequenzmoduliertes Dauerstrichverfahren (FMCW) |
| Notfunkbake ELT Die Notfunkbake sendet eine kodierte Kennung an Satelliten. Zur Feinpeilung durch die Rettungsmannschaft läuft parallel ein schwaches Signal auf 121,5 MHz. | 406–406,1 MHz | — | Digital kodierte Kurzaussendungen an das System Cospas-Sarsat |
Transponder, Sekundärradar und ADS-B #
Das Primärradar sieht ein Echo, aber es weiß nicht, wessen Echo. Das Sekundärradar löst dieses Problem, indem es nicht auf ein Echo wartet, sondern fragt: Es sendet auf 1030 MHz eine Abfrage, der Transponder an Bord antwortet auf 1090 MHz. In Modus A überträgt er einen vierstelligen Code, in Modus C zusätzlich die Flughöhe aus dem barometrischen Höhenmesser.
Modus S geht einen Schritt weiter: Jedes Luftfahrzeug trägt eine weltweit eindeutige 24-Bit-Adresse und wird einzeln angesprochen. Das entlastet die Frequenz erheblich, denn nicht mehr jede Abfrage löst bei jedem Transponder in Reichweite eine Antwort aus. Auf dieser Grundlage arbeitet auch die Kollisionswarnung TCAS, bei der zwei Luftfahrzeuge ihre Ausweichmanöver untereinander abstimmen.
ADS-B kehrt die Richtung schließlich ganz um. Das Luftfahrzeug wartet nicht auf eine Abfrage, sondern sendet auf 1090 MHz unaufgefordert Position, Höhe, Geschwindigkeit und Kennung aus der eigenen Navigationsanlage. Jeder Empfänger in Reichweite kann mithören — daraus sind die öffentlichen Flugverfolgungsdienste entstanden, die inzwischen von tausenden privaten Bodenstationen gespeist werden.
- Primärradar misst selbst und braucht keine Mitwirkung — es sieht auch, was nicht antworten will.
- Sekundärradar fragt und bekommt Kennung und Höhe, hängt aber von einem funktionierenden Transponder ab.
- ADS-B ist am genauesten und am billigsten zu empfangen, verlässt sich aber vollständig auf die Angaben des Senders.
Datenverbindungen, Kurzwelle und Satcom #
Nicht alles muss gesprochen werden. ACARS überträgt seit den 1970er Jahren kurze Textnachrichten zwischen Cockpit und Betrieb: Abflug- und Ankunftszeiten, Wetteranforderungen, Störungsmeldungen der Bordsysteme. In Europa läuft der Hauptkanal auf 131,725 MHz, weltweit dient 131,550 MHz als Grundkanal. Die Datenrate von 2400 bit/s wirkt lächerlich klein — für ein paar Zeilen Text genügt sie.
Über Ozeanen und Polargebieten endet die VHF-Abdeckung. Dort übernimmt die Kurzwelle mit Einseitenbandmodulation im oberen Seitenband. Der Flugfunkdienst hat dafür schmale Segmente zwischen 2,85 und 22 MHz zugewiesen bekommen; welche Familie gerade trägt, entscheidet die Ionosphäre. Verständlichkeit und Zuverlässigkeit sind deutlich schlechter als im VHF-Bereich — deshalb wird der Kurzwellenverkehr zunehmend durch Satellitenverbindungen im L-Band ersetzt.
CPDLC schließlich verlagert die Freigaben selbst auf den Datenweg: Der Lotse schickt eine formalisierte Anweisung, die Besatzung bestätigt sie mit einem Tastendruck. Das vermeidet Hörfehler und entlastet die Sprechfunkfrequenz — gerade über dem Nordatlantik, wo eine Rückfrage sonst Minuten kostet.